Stuttgarter Wochenblatt
05.03.2010, 21:14
Unten findet ihr ein Interview vom Stuttgarter Wochenblatt. Dieser Artikel wurde unter dem Rubrik "Portrait der Woche" veröffentlicht!
Link: http://www.stuttgarter-wochenblatt.de/stw/page/detail.php/2407676
Teenie-Film "Rock it!" schlägt sich wacker in den Kino-Charts. Aber wer weiß, dass in dem ganz schön viel Tanzkunst aus Stuttgart steckt? Luh, Hip-Hop-Dozent an der NYCDS, war als Tänzer mit von der Partie.
Typisch asiatisch: Klein (1,65 m), bescheiden, höflich und charmant. Das ist der erste Eindruck von Luh,
der mit vollem Namen Le Ung Hoang heißt. Wir treffen den Luh - der Name setzt sich aus seinen
Anfangsbuchstaben zusammen - in der New York City Dance School (NYCDS) am Pragsattel. Hier gibt der
25-jährige gebürtige Vietnamese Hip-Hop-Kurse und leitet auch die neu gegründete Showgruppe. Auch an der
Minkov-Tanzakademie in Winnenden lehrt er Hip-Hop.
Luh wurde 1985 in Hanoi in Vietnam geboren und kam mit elfeinhalb Jahren samt Vater und Schwester zu seiner
Mutter nach Waiblingen, wo er heute noch wohnt. Luhs Oma war im kommunistischen vietnamesischen System
politisch erfolgreich. Seine Mutter studierte in Weimar. Luh spricht akzentfrei Deutsch: "Das habe ich meiner
Mutter zu verdanken, sie fand das sehr wichtig", erzählt er. Anfangs hatte er mit der Sprache, mit
Diskriminierung und schließlich mit dem unerwarteten Tod seiner Mutter zu kämpfen. Erst spät, mit 17 Jahren,
begann Luh mit dem Tanzen. Mit 16 jobbte er schon im Hausmeister- und Technikdienst vom Bürgerzentrum
Waiblingen und putzte Dönerbuden, um Geld zu verdienen. "Ich habe immer vorwärts geschaut und bin überzeugt
davon, dass man mit Disziplin und harter Arbeit weiterkommt", so Luh.
"Meine Mutter brachte uns als erste deutsche Musik von Modern Talking "Brother Louie" mit. Alles aus dem
Westen war für uns eine Sensation", erinnert er sich an seine erste Musikerfahrung.
Mit 17 besuchte er eine Fellbacher Tanzschule, schon damals einen Hip-Hop-Kurs. "Ich war der einzige Junge
unter lauter Mädchen und fragte mich ,Was suchst du hier"', erinnert er sich lachend. Aber Hip-Hop hat ihm
von Anfang an großen Spaß gemacht. Schnell zog es ihn auf die Bühne, unterstützt durch eine Gesangsausbildung.
Mit 18 trat er im Rahmen der großen YOU-Messe als Solo-Teilnehmer vor 3500 Zuschauern auf und tourte
anschließend als Background-Tänzer für die Girlgruppe Mad-Rebels durch Deutschland. Mit seiner später
gegründeten Band T'n'T konnte er bei Shows die eigene Musik und Bühnenshow vor einem breiten Publikum
präsentieren.
Um seine berufliche Zukunft zu sichern, trat er 2002 eine Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien an
und schloss diese 2005 erfolgreich ab. Zur Zeit studiert er "nebenbei" auf den Abschluss geprüfter
Medienbetriebswirt hin.
Seine Leidenschaft ist dennoch das Tanzen und Singen. "Die Straße hat mich ausgebildet. Ich habe mich
hochgearbeitet, und die harte Arbeit hat sich ausgezahlt. Für Kleines darf man sich niemals zu schade sein.
"2007 bis 2008 tourte Luh mit "Rocking Son" durch Europa. Neben seiner hauptdarstellerischen Position war er
auch für die Bühnenshow und Ausbildung der Tänzer zuständig. Heute arbeitet Luh freiberuflich als Choreograf,
Coach, Veranstalter von Dance-Events wie "Funkin' Stylez Stuttgart" und bildet Showgruppen aus. Zum Kinofilm
"Rock it!" kam er über ein Casting. Hier setzte er sich unter 100 Teilnehmern als einer von zehn
Haupttänzern des Films durch. Nach drei Wochen hartem Training in Österreich wurde vier Tage lang gedreht.
"Durch den Blick hinter die Kulissen habe ich sehr viel gelernt", so Luh.
Bescheidenheit zeichnet Luh aus: "Hip-Hop-Profi höre ich nicht so gern, ich bezeichne mich lieber als Tänzer.
Ich habe ein gutes Auge, bin technisch sehr gut und hole aus meinen Schülern das Beste heraus", gibt er
immerhin zu.
"Ich entwickele mich laufend weiter und bin noch auf dem Weg, meinen Stil zu finden", sagt er. Ihm ist
natürlich klar, dass er mit 40 Jahren nicht mehr Hip-Hop-Tänzer sein wird: "Ich versuche, mich breit
aufzustellen." Deshalb organisiert er mit einem eigenen Team auch Fotoshootings für Tänzer. Er weiß eben,
dass Präsentation wichtig ist. "Als Tänzer darf man niemals emotional flach sein", ist sein Credo. Sein
Waschbrettbauch ist übrigens Natur, allein das harte Tanztraining und Joggen hält ihn fit. In seiner Freizeit
fährt Luh gerne mal schnell Gokart-Rennen, spielt gern Fußball, Playstation und liest gerne Krimis. Auch mit
der Freundin verbringt er gerne Zeit. "Leider bin ich ständig unterwegs, wie das Wort selbst-ständig ja schon
sagt", schmunzelt er. "Ich habe schon viel erreicht, aber um reich zu werden, wird man kein Tänzer, uns macht
die Kunst reich", lächelt er.
von Christian Günther
Stuttgarter Wochenblatt
05. März 2010
Kommentar von Mario Marinic | 09.03.2010
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